|
Protokoll der Verhandlung am 25. Januar 2005 in der Felsgrotte in Dettingen. Schlafkappen Hegne gegen Ducherle Kaltbrunn Anwesende: Richter, Staatsanwalt, Verteidiger: Dr. Advocadus Malheur Schreiber: Shakesbert Kläger, Angeklagter: der ehrenwerte Präsident der Ducherle Kaltbrunn Peter Waidele bei ihm dabei: 4 Narrenräte/Innen 1 Fan? Kläger, Angeklagter: der ehrenwerte Präsident der Schlafkappen Hegne, Martin Kininger bei ihm dabei: 1 Narrenbolizei 1 Bolizei 1 Musikant dem Musikant sei Frau 1 Presse Dr. Advocadus Malheur (ab sofort nur noch genannt der Richter) fragt die beiden sich streitenden Parteien, ob noch die entfernteste Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung besteht? Beide Seiten antworten mit klarem NEIN. Hierauf eröffnet der Richter das Verfahren und bittet die beiden Angeklagten vorne beim Richtertisch Platz zu nehmen. (Sie tun es und bringen auch ihr Bier mit.) |
|
| Richter: | verhandelt wird heute ein sehr außergewöhnlicher Fall, Kläger und Angeklagte sind die Kaltbrunner Ducherle und Kläger und Angeklagte sind die Hegner Schlafkappen. Dementsprechend bin ich der Staatsanwalt, der Verteidiger und der Richter. Damit des klar isch. Entschieden wird auf Grundlage des NGB, das ist das Narren Gesetz Buch, welches zufällig in einer Handkommentierung, die einseitig ausgelegt werden kann und zufällig von mir geschrieben, ansonsten ist es in Ordnung. Es kommt jetzt die Anklageschrift zur Verlesung. Die Narrenzunft Ducherle Kaltbrunn unter ihrem ehrenwerten Präsidenten Peter Waidele wird angeklagt wegen Erpressung der Narrengesellschaft Schlafkappen Hegne unter ihrem ehrenwerten Präsident Martin Kininger. Das ist ein Vergehen nach § 0815 NGB. Ihnen wird ferner vorgeworfen hinterlistiger Trickdiebstahl nach § 4711 NGB, Raub einer präsidialen Narrenkappe § 007 NGB und sexuelle Nötigung des Hegner Narrenbolizei § 69 NGB. Habt ihr eventuell auch noch Vorwürfe gegen die Hegner? |
| Kläger/Angeklagter der ehrenwerte Präsident der Ducherle Kaltbrunn Peter Waidele (ab sofort nur noch genannt Peter) | |
| Peter: | Jede Menge! |
| Peter schlägt vor, erst einmal die Vorgeschichte zu berichten, da ja etliche Personen der Verhandlung beiwohnen, die nicht über alles informiert sind. | |
| Richter: | kommen wir zur Verlesung des umfangreichen Schriftverkehrs. |
| Peter: | mir könnets ja so mache, dass er sein Scheiss vorliest und ich meiner. |
| Aus dem Publikum - ab sofort dargestellt kursiv und durch Klammern: | |
| (Gelächter) | |
| Kläger/Angeklagter der ehrenwerte Präsident der Schlafkappen Hegne, Martin Kininger (ab sofort nur noch genannt Martin): ist einverstanden. | |
| Peter: |
Montag früh, 17. Januar 2005 An den hochwohllöblich geborenen Narrenpräsidenten der Narrengesellschaft Schlafkappen Hegne Martin Kinninger per Fax an seinen Arbeitsplatz. Ein Ho Narro dem ehrenwerten Präsidenten, lieber Martin. Bei den Aufräumarbeiten nach unserem bunten Abend ist eine Narrenkappe Eurer Narrengesellschaft zum Vorschein gekommen. Die Initialen M.K. lassen durchaus darauf schließen, dass es sich um die Narrenkappe des Präsidenten der Narrengesellschaft Schlafkappen Hegne Martin Kinninger handeln könnte. |
| Martin: | könnte auch heißen Meine Kappe |
| Peter: | wir haben die Narrenkappe natürlich sorgfältigst in Verwahrung genommen. Wir gehen davon aus, dass die Kappe in den nächsten Wochen noch gebraucht wird, einer Übergabe der Kappe steht natürlich nichts im Wege. Es kann sich dabei um einen öffentlichen oder nichtöffentlichen Übergabeort handeln. Ein nicht zu geringer Bestechungsversuch des ehrenwerten Präsidenten sollte der Herausgabeforderung Nachdruck verleihen. Als Herausgabesoll sehe wir eine Flasche Sekt je Kaltbrunner Narrenrat als Mindestforderung. Über eine höhere Entlohnung für die überaus verantwortungsvolle Aufgabe der Kappenaufbewahrung kann jederzeit verhandelt werden. Wir erbitten eine baldige närrische Antwort und verbleiben bis dahin als Kappenwächter der Narrengesellschaft Schlafkappen. Ho Narro. |
| (Applaus) | |
| Richter: | jetzt die erste Antwort darauf. |
| Martin: | am gleichen Montag 16 Uhr 42 |
| (Hosch du nix zum schaffe?) | |
| Martin: | ich habs auf die Seite gelegt, das hier war mir wichtiger. An den weniger ehrenwerten Kollegen. Hallo Peter, die Bewachung der präsidialen Narrenkappe oblag unserem Narrenbolizei Bernd Wechsel. Meine Wenigkeit war auf der Tanzfläche schwer beschäftigt. Der Narrenbolizei wurde allerdings auf listige Art und Weise in ein intimes Gespräch verwickelt. Ein weibliches Kaltbrunner Mäschgerle hat ihn umgarnt. Selbst ein gestandener Hegner Narrenbolizei kann den Versuchungen einer schönen Frau nur schwerlich widerstehen. Diese Unaufmerksamkeit wurde durch einen uns unbekannten diebischen Kaltbrunner schamlos ausgenutzt. Die Kappe wurde geschnappt. Der Verlust wurde am selben Abend bei Eurem Personal angezeigt. Dort war nur Schulterzucken und Kopfschütteln als Antwort zu erhalten. Mein Vorschlag ist euren Zunftnamen in 'Diebische Elstern' umzuwandeln. Desweiteren bitte ich Euch die korrekte Schreibweise der Namen einzuhalten. Als Entschädigung erwarten wir eine Flasche badischen Spätburgunder pro Vereinsmitglied. Und die baldige Übergabe der Kappe. Dann werden wir von einer strafrechtlichen Verfolgung absehen. Wir bitten um eine baldige Antwort, Terminschlag unsererseits am 25. Jan. 2005, Verhandlungsort neutraler Boden Felsgrotte Dettingen. Ho Narro, der Präsident. |
| (Applaus) | |
| Richter: | Da gibt es natürlich noch ein Schreiben von Kaltbrunn. |
| Peter: | Ist ja klar, das konnten wir so ja nicht stehen lassen. Dienstag, 18. Januar: - Also das Hochwohlgeboren und Ehrenwert ist jetzt nicht mehr, es heißt nur noch - Lieber Präsident, Hallo Martin. Der von euch dargestellte Sachverhalt kann nach intensiver Prüfung nicht bestätigt werden. Und die Behauptung einer vorsätzlichen Entwendung der Kappe ist nicht haltbar. Wir widersprechen dieser Darstellung in allen Punkten. Das Gegenteil ist der Fall. Nach dem unerwarteten Auftauchen der Kappe beim Aufräumen - dick unterstrichen - wurde diese sorgfältigst behandelt, gebürstet, entstaubt und gereinigt. Und sofort an einem sicheren Ort verschlossen. Die Kappe wurde somit vor der frevlerischen Entweihung durch die Berührung von Nichtnarren bewahrt. Ihr solltet uns hierfür dankbar sein. Richtig ist, dass die Verlustanzeige bei unserem Personal am Abend eingegangen ist. Eine sofortige große Suchaktion wurde wegen offensichtlicher Erfolglosigkeit nach unzähligen Sekunden abgebrochen. |
| (Gelächter) | |
| Den Vorschlag unseren Zunftnamen in 'Diebische Elstern' umzuwandeln ist eine derart schändliche Forderung, dass wir uns dazu veranlasst sehen, die Mindestforderung zur Herausgabe der Kappe beträchtlich anzuheben. Und zwar auf zwei Flaschen Sekt pro Kaltbrunner Narrenrat. Die von Euch gemachte Gegenforderung für die falsche Schreibweise des Präsidentennamens können wir in der Höhe natürlich nicht akzeptieren. Über eine geringe Entschädigung, ca. 1 Flasche Rotwein für den Präsidenten kann verhandelt werden. Eurem Terminschlag, sollte wohl heißen Vorschlag, können wir zustimmen, auch der neutrale Boden ist akzeptabel. Als Uhrzeit der Übergabe von Sekt, Wein und Kappe schlagen wir 19 Uhr vor. Desweiteren sind als Abordnung nur Präsident und maximal drei Unterhändler zulässig. Der Narrenbolizei und/oder sonstige Ordnungskräfte dürfen in keiner Weise informiert werden, oder gar zur Übergabe anwesend sein, | |
| (lautes Gelächter) | |
| sie würden den sofortigen Abbruch aller Verhandlungen zur Folge haben. | |
| Martin: | Ha jo, schreibe kasch des scho. |
| (mehr Gelächter und Applaus) | |
| hot er schö gschribbe. | |
| Peter: | jetzt bist du wieder dran. |
| Martin: | Jawohl. Am gleichen Tag 1 Uhr 52 Hallo lieber ehrenwerter Präsidentkollege. Vielen Dank für Dein wohlgemeintes Anschreiben. Mit viel Hallo haben wir es entgegengenommen. Die halbe Hegner Bevölkerung wird zu unserem gemeinsamen Gerichtstermin in der Felsgrotte anwesend sein. Unser juristischer Beistand Herr Staranwalt Dr. Advocadus wird bestens vorbereitet sein, um Eure unhaltbaren Anschuldigungen zu entkräften. Unsere Beweisführung ist detailliert vorbereitet, so dass eure Niederlage vorprogrammiert ist. Haltet bitte zur Begleichung der Prozesskosten euer Sparbuch bereit. |
| (Gelächter) | |
| Ausdrücklich möchte ich betonen, dass unser Schwerpunkt nicht auf Rotwein liegt, sondern badischem Spätburgunder, bitte bringt ausreichend Vorräte mit. Aufgrund Ihrer unsortierten Ausführungen sehen wir uns gezwungen unsere Schadensersatzforderungen auf zwei Flaschen Spätburgunder je Vereinsmitglied zu erhöhen. Bedanken möchte ich mich schon im voraus für die würdevolle Behandlung der präsidialen Kappe. Desweiteren erfreut es mich sehr, dass Sie Ihre grammatikalischen Kenntnisse verfeinert haben und unsere Namen korrekt artikulieren können. Datum und Uhrzeit entsprechen unseren Vorstellungen. Eine Antwort Ihrerseits ist nicht notwendig, wenn De willsch aber doch, wir werden pünktlich und vollzählig zu unserer gemeinsamen Übergabe der Präsidentenkappe erscheinen. Mit närrischen Ho Narro, der Präsident. |
|
| (Applaus) | |
| Also ihr sehet, mir hont uns da ganz schön reingesteigert und es sind auch großartige Worte gefallen, Herr Richter. | |
| Richter: | Damit ist jetzt offengelegt, um was es eigentlich geht. Ich kann dem eigentlich nur entnehmen, dass die Schlafkappen, wie schon öfters, etwas nachlässig gewesen sind. Ihr seid jetzt der Meinung, dass ihr gelinkt worden seid, dass die Kappe nicht vergessen wurde, sondern ihr bestohlen wurdet. Wir werden versuchen Klarheit zu schaffen und beginnen jetzt mit der Beweisaufnahme. Irgendetwas müsstet ihr schon beweisen, denn so ohne Weiteres kann man den Vorwurf gegen die Kaltbrunner nicht machen. Habt ihr Zeugen? |
| Martin: | wir haben eine Zeugen mitgebracht, jawohl. |
| Richter: | Wen? |
| Martin: | Unser Narrenbolizei Bernd Wechsel |
| Richter: | Der, wo auf die Kappe hätt solle uffpasse? Dann soll er nach vorne kommen und auf dem Zeugenstuhl Platz nehmen. So, Herr Narrenbolizei, schildern sie uns aus ihrer Sicht, was an dem Abend oder der Nacht abgelaufen ist. |
| Narrenbolizei Bernd Wechsel (ab sofort nur noch genannt Bernd): | |
| Bernd: | Ja, also, eh, wir waren in Kaltbrunn beim Bunten Abend... |
| Richter: | Stopp, vorher muss ich noch darauf hinweisen, dass die Aussagen hier wahrheitsgemäß sein müssen und der Wahrheit entsprechen, lügen darf man vor dem Narrengericht... |
| Bernd: | ich sag bloß die Wahrheit über die Kaltbrunner... |
| Richter: | lügen darf man vor dem Narrengericht nur, wenn man daraus im nächsten Jahr einen Artikel für die Narrenzeitung schreiben kann. |
| Bernd: | wir waren an dem Bunten Abend, es war ein wunderschöner Abend, wir haben viel gelacht und Spass gehabt. Und als die Musik müde wurde sind wir auch müde geworden. |
| Martin: | Uhrzeit? |
| Bernd: | Ach das war schon so um halber |
| Richter: | was jetzt, halber oder dreiviertel? |
| Shakesbert: | ein paar Halbe später wahrscheinlich! |
| Bernd: | ich kann es nicht genau sagen, weil der Zeiger war genau in der Kurve. |
| Richter: | ah. |
| Bernd: | Wir wollten dann gehen ich hatte die Narrenkappe behütet bin drauf gesessen und das hat die ausgehalten und dann kam so ein Mäschgerle und die hat mir so die Birne verdreht und dann war ich auf der Tanzfläche und hab getanzt und gemacht und als ich zurückkomme war die Kappe fort. |
| Richter: | Aha, so war das. Ich habe da in der einen Schrift gelesen, das sei an der Grenze gewesen zur sexuellen Nötigung. |
| Bernd: | ja, es hielt sich gerade noch im Rahmen. |
| Peter: | dann kanns so schlimm nicht gewesen sein. |
| Shakesbert: | so Lambada |
| Bernd: | aber ich hab die Kappe behütet! |
| Richter: | das können Sie Zeuge behaupten wie Sie wollen, das ist eine Behauptung, die steht im Raum, ist nicht bewiesen. Also es müssen handfeste Beweise her, damit man das untermauern kann. So einfach sagen 'ich bin auf der Kappe gesessen' das kann ja jeder. |
| Bernd: | ich bin auf der Kappe gehockt! Da! |
| (er steht auf und zeigt allen seinen Hosenboden, auf dem sich deutlich der Abdruck einer Narrenkappe erkennen lässt.) | |
| (brüllendes, nicht enden wollendes Gelächter) | |
| Peter: | ja aber beim Tanzen nicht, gell! Der Abdruck stammt offensichtlich von vor dem Verlust der Kappe. Und dann warst du ja beim Tanzen auf der Tanzfläche und hast die Kappe alleine gelassen. Hast du gesehen, wie nach deinen Angaben die Kappe entwendet worden sein soll? |
| Bernd: | Nein das waren die diebischen... |
| Peter: | also stopp! |
| Bernd: | ja aber... |
| Peter: | Du hast nein gesagt, also kannst du den Vorwurf der vorsätzlichen Hinwegnahme nicht bestätigen. Stimmts? |
| Richter: | Das würde ich so ähnlich sehen. Kannst du als Narrenbolizei glaubhaft darlegen, dass die Kappe liegengeblieben ist, oder ist die am Fidele hängengeblieben und du hast sie beim Tanzen irgendwo verloren? |
| Peter: | So wirds wohl sein! |
| Bernd: | wenn sie mir am Fidele hängengeblieben wäre, dann hätten wir sie ja mit Heim gebracht. |
| Peter: | Sie wird beim Tanzen weggeflogen sein, das ist durchaus möglich. |
| Martin: | Also der Beweis, dass unser Narrenbolizei die Kappe fürsorglich bewacht hat, der ist ja wohl erbracht durch den Abdruck. |
| Peter: | Deswegen mussten wir sie ja reinigen. |
| (hämisches Gelächter) | |
| Aber beim Tanzen hat er sie halt nicht, äh, so, fürsorglich behandelt die Kappe und nicht so fürsorglich drauf aufgepasst. Den Beweis, dass wir die Kappe vorsätzlich entwendeten bleibt ihr einfach schuldig! Und somit sind wir nach wie vor in der richtigen Position, das was hier geschrieben ist: die Kappe wurde aufgefunden, bestens von uns verwahrt und versorgt. | |
| (Applaus aus den eigenen Reihen) | |
| Martin: | das war ja schon auf dem Kaffeetisch am Ausgang. Wir wollten schon gehen und hat er sich auf die Kappe gehockt, damit auch ja nichts passiert. |
| Bernd: | DES WARET DIE DIEBISCHE ELSCHTRE! |
| Peter: | ja wie soll die Kappe wenn er drauf sitzt verschwinden? Wie soll das einer machen? |
| (Richter ruft das Publikum zur Ruhe)(oder du räumst den Saal, oder was?)(dann müsst ich ja zahlen...) | |
| Peter: | also ich finde das sehr eindeutig, den Zeugen können wir entlassen, oder? |
| Richter: | ich habe keine Fragen mehr, der Zeuge ist entlassen. |
| Martin: | vielen Dank Herr Narrenbolizei. |
| Shakesbert: | fürs Protokoll: der Zeuge wirkt durchaus glaubwürdig. |
| Peter: | glaubwürdig schon, aber ohne Hand uns Fuß. |
| Richter: | Sind beide Seiten einverstanden, dass wir auf eine Vereidigung verzichten? |
| Martin: | ja. |
| Peter: | ausnahmsweise ja. |
| Richter: | Gut. Gibt es weitere Beweisanträge von der Seite der Schlafkappen? |
| Martin: | Nein. Und keine weiteren Zeugen. |
| Richter: | Gibt es von Seiten der Ducherle noch irgendwelche Anträge? |
| Peter: | Zeugen brauchen wir keine zu hören, da durch die eben erfolgte Anhörung ganz klar deutlich geworden ist, dass wir das in unserem Schriftverkehr richtig dargestellt haben und nicht wie vom Herrn ehrenwerten Präsident als 'Diebische Elstern' und so weiter. Wir können das in keiner Weise bekräftigen was du da behauptet hast. Somit sind wir in der glücklichen Lage ... |
| Martin: | aber natürlich, unsere Kappe ist weg... |
| Peter: | ja wenn sie der Präsident verliert oder der Narrenbolizei ... |
| Martin: | ... auf der Kappe drauf, damit ihr nichts passiert... |
| Richter: | wo habt ihr denn eigentlich die Kappe gefunden? |
| Peter: | beim Aufräumen. |
| Richter: | ja wo? |
| Peter: | äh, äh, im Feuerwehrhaus oben drin. |
| Martin: | die lag ganz klar am Kassentisch beim Ausgang. |
| Peter: | ich war am Morgen früh der erste, der beim Aufräumen war. Und der Fanfarenzug hatte an diesem Abend Dienst. Die hatten im Großen und Ganzen schon soweit sauber gemacht. |
| Martin: | ja klar, die haben sie ja gleich verschwinden lassen! |
| Peter: | und die Kappe war dann bei uns hinter dem Mikrowellenherd, das ist da neben der Kasse, da lag sie und da habe ich sie gefunden und habe sie sofort verwahrt. Und so war das, Ende. |
| Richter: | Also hast du sie nicht selber gefunden, sondern gefunden wurde sie vom Fanfarenzug. |
| Peter: | ich nehme es an. |
| Shakesbert: | also ist sie von dem Stuhl entwendet worden. |
| Peter: | kann auch sein das sie runtergeflogen ist und es hat sie jemand aufgehoben und oben hingelegt. Alles was bei uns gefunden wird landet letztendlich in der Nähe vom Mikrowellenherd. |
| Martin: | hinter der Mikrowelle? |
| Peter: | ja, |
| (Gelächter) | |
| Richter: | Also... |
| Peter: | Martin, es ist also so, dass das was ihr da äh... |
| (der isch no it klaut worre, der Mikrowellenherd, oder?) (lautes Gelächter) | |
| Also mir ist einfach der Eindruck entstanden, dass in Hegne der Narrenpräsident die Verantwortung auf seine eigene Kappe aufzupassen also nicht selber übernimmt, sondern dem Narrenbolizei übergibt. Und bei uns in Kaltbrunn ist das so, dass der Narrenpräsident auf seine eigene Kappe aufpasst. | |
| Martin: | ihr habt ja auch keinen Narrenbolizei! |
| Peter: | Wir sind jetzt so weit, dass ihr eure Vorwürfe nicht bekräftigen könnt. Somit steht unsere Forderung nach wie vor im Raum. Wir erwarten für die Auslösung der Kappe nach diesem heftigen und sehr sehr vorwurfsvollen und schändlichen Schriftverkehr zwei Flaschen je Kaltbrunner Narrenrat, zwei Flaschen Sekt. Das bedeutet also, wir sind acht Narrenräte, also gehen wir von sechzehn Flaschen aus. |
| Martin: | sechzehn Flaschen Sekt ist eure Forderung? |
| Peter: | jawohl. |
| Martin: | starkes Stück. |
| Richter: | wie ist eure Forderung? |
| Martin: | Unsere Forderung ist natürlich Freispruch und dann dass unsere Schadensersatzforderung von zwei Flaschen Spätburgunder pro Vereinsmitglied erfüllt wird. |
| (und die Kappe!) | |
| und die Rückgabe der Kappe natürlich auch noch. | |
| Richter: | gibt es sonst noch Anträge? Dann wird das Verfahren unterbrochen, das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. An die Bar. |
| (das Gericht kommt zurück, das Publikum steht respektvoll) | |
| Richter: | damit ihr mich seht und ich euch, verkündige ich das Urteil sitzend. Also: im Namen des närrischen Bodanrückvolkes ergeht folgendes Urteil: ich nehme erst einmal die Begründung voraus, bevor ich zum Strafmaß komme. Es sind sehr, sehr große Vorwürfe gegen Kaltbrunn gelaufen, und es ist eigentlich sehr wahrscheinlich, dass die Vorwürfe auch so stimmen. Nur allein konnten die Hegner nicht den letztendlichen Beweis erbringen, dass es so abgelaufen ist. In dem Fall heißt es immer aus Mangel an Beweisen für den Angeklagten. Kaltbrunn wird von den genannten Punkten freigesprochen. |
| (hoch!) (womit hast du den Richter bestochen?) | |
| Da aber das Gericht weiterhin davon ausgeht, dass die beiden gut miteinander zusammenschaffen wollen, in guter Nachbarschaft, regt das Gericht an, um es nicht später in einem Urteil festhalten zu müssen, dass die Ducherle von Kaltbrunn den Hegnern wegen ihrem Ungemach das sie gehabt haben zwei Flaschen badischen Rotwein als Versöhnungsgeschenk überreichen. | |
| (Spätburgunder!) | |
| Spätburgunder, gut. | |
| Peter: | da muss ich gleich was dazu sagen, zum Rotwein. Ich danke dem hohen Gericht, dass es sich auf zwei Flaschen beschränkt, weil diese Forderung pro Mitglied ist ja so un-, un-, über alle Maßen übertrieben, weil sich die Forderung den Rotwein zu zahlen nur auf die Falschschreibung des Namens bezogen hat. Zu dieser Rotweingeschichte muss ich sagen, also, die Ducherle sind durchaus bereit zwei Flaschen Rotwein zu zahlen bzw. zu übergeben, aber wir geben uns natürlich nicht mit einem minderwertigen Spätburgunder ab, sondern ihr kriegt den allerbesten Trollinger Süddeutschlands. |
| (Gelächter) | |
| Martin: | Trollinger? Trollinger? |
| Peter: | den allerbesten Trollinger Süddeutschlands |
| (Gelächter) | |
| Martin: | der kasch selber saufe! Mir trinket Spätburgunder, badischen Spätburgunder, die Forderung war ja wohl klar! |
| (Gelächter und Applaus) | |
| Richter: | (klopft) jetzt gehts weiter! Das ist eine goodwill-Sache die jetzt abläuft und das Gericht konnte nicht nachweisen, dass der Betrug da begangen wurde und um die gutnachbarschaftlichen Beziehungen wiederherzustellen - das hat nichts mit dem Schnaps zu tun, den wir da getrunken haben. |
| (Gelächter) | |
| So, jetzt müssen wir das Ding weitertreiben. Es ergehen zwei Urteile Richtung Hegne. Das erste Urteil: Dem Narrenpräsidenten von Hegne in der Person vom Martin Kininger wird auferlegt in dieser Fasnet selber auf seine Narrenkappe aufzupassen, damit er das lernt. | |
| (Jubel) | |
| Diese Verantwortung dem Narrenbolizei unterzuschieben hat aufgehört, er muss mal lernen selber auf sein Sach aufzupassen. | |
| (Applaus) | |
| Desweiteren ergeht an die Schlafkappen das Urteil, dass sie den Kaltbrunnern nicht die zwei geforderten Flaschen Sekt zu zahlen haben für die sorgsame Aufbewahrung der Kappe und Erhaltung der Kappe und Säuberung - ich kann mir vorstellen, dass die dreckig war. Es ergeht daher das Urteil, also das Gericht hat versucht zwischen beiden Forderungen abzuwägen. Also elf Fläschle Sekt müssen sie euch rübergeben und damit müssen sie natürlich die Kappe wieder rausrücken, ist ja klar. Sonst kann der Martin ja auf nichts aufpassen. | |
| Shakesbert: | die Kappe kann mit elf Sekt wieder ausgelöst werden. |
| Richter: | Jetzt die Frage ab beide Parteien: nehmt ihr das Urteil an? Es hat jeder noch einmal die Gelegenheit auf das Urteil einzugehen. |
| Peter: | ich nehme es an. |
| Martin: | elf Flaschen Sekt und dann kriegen wir die Kappe wieder? |
| (die Alleschbacher went immer meh, wenn se se klaut hont) | |
| Shakesbert: | ihr nehmt das Urteil an? |
| Martin: | wir nehmen es an. |
| Richter: | damit ist die Verhandlung geschlossen und ihr macht anschließend den Austausch. |
| Peter: | hont ihr des Sach dabei? |
| Martin: | ja logisch, mir sind vorbereitet! |
| Hier endet das Protokoll. | |